#30

Zentrum-West

Im Gleichklang einer Nacht kommt es von draußen plötzlich laut herein, es drückt sich durch die offene Tür des Cafés im Erdgeschoss, bis sie aufschwingt und die Menschen auf die Straße spült, mit öligem Haar wie dampfender Tang. Das Geschrei durchschneidet als Faserrisse unsere vierstöckige Straßenschlucht, im Erker habe ich einen unsichtbaren Logenplatz und mache es mir bequem. Im Rausch feiern die Schüler der Schauspielschule da unten ihr Fest, während der Rest der Straße schlaflos liegt und lauscht.

Man liest, die Gesellschaft sei geschlossen und doch treten irgendwann Drei heraus. Der Eine hält den Anderen am Kragen und nach einem Wortgefecht fliegen plötzlich die Fäuste aus den Hosentaschen in ihre Gesichter, man kann schwer sagen ob im Spiel oder Ernst. Über die geparkten Autos geht es, einer landet hart auf dem Rücken, der andere bückt sich zu ihm herunter und ein dritter versucht sich zwischen sie zu schieben, ohne Erfolg. Ein paar Frauen lehnen an den Cafétischen als ginge sie alles nichts an. Ich denke: auch das gehört zum Spiel, auch sie sind Teil der Inszenierung und am Ende schäme ich mich fast, denn es dämmert mir: Als einziger Zuschauer, im Logenplatz, spielen sie alles nur für mich.