#28

Zentrum-West

Als ich frühmorgens einmal schwer verschoben aus einem der unterirdischen Tanztempel herausgekrochen kam und auf mir unbekannte Weise tatsächlich nach Hause gelangt war, trieb mich meine Schlaflosigkeit in einen Zustand nahe des Irrsinns. Ich flüchtete mich aufs Dach unseres Mietshauses und durchkämmte wie im Wahn den Himmel nach irgendetwas, woran ich meine rasenden Gedanken hängen konnte. Außer den Vögeln und Flugzeugen war er allerdings scheußlich leer und die Sonne war drauf und dran meinen Körper in Brand zu stecken.

Und dann sah ich etwas in südlicher Richtung, ganz unvermittelt stand da nunmehr ein riesiger Turm aus Metall, den es Tags zuvor mit Sicherheit noch nicht gegeben hatte. Er war höher als jedes andere Gebäude, hatte der Wahn schließlich doch die Oberhand über mich gewonnen? Anders konnte ich es mir nicht erklären, denn wie hätte man den Turm in so kurzer Zeit und dazu noch völlig unbemerkt aufstellen sollen?

Da erschienen in einem gegenüberliegenden Dachgeschossfenster plötzlich zwei Gestalten, zwei Männer, die auf mich zeigten und laut anfingen zu lachen. Also stieg ich die Leiter in den Dachboden zurück, ging hin die Wohnung hinunter und vergrub mein Gesicht tief im Kopfkissen, dessen Geruch mir jetzt seltsam fremd, ja fast schon feindselig vorkam.