#20

Zentrum-West

Erst als die Sonne verschwindet, treibt es die Menschen nach draußen. Hier, wo Freude noch groß geschrieben wird, etwa auf die Fahnen, mit der schwarz-weiß-roten Grundierung. Dann ziehen die Hypokriten wieder auf die Straße. Ihre kehligen Laute treiben sie vor sich her, die tägliche Pflicht treibt sie an.

Am Dorotheenplatz lassen sie sich nieder, vor einem der Schaufenster, das sie letzte Nacht noch zerschießen wollten. Die Steine liegen jetzt vor ihren Füßen, aber das sind nur noch Steine und keine Wurfgeschosse. Einer kickt dagegen, ein anderer hat Bier mitgebracht. Die blonde Frau gibt eine Runde Zigaretten. Flüchtige Blicke auf die Uhr, dann nach oben, aber nur durch die Brille. Aus der TV-Spielfilm musste man das Pappgestell herauslösen, jetzt kommt es zum Einsatz. Den Blick nach oben? Sonst nur, wenn sie den Kopf in den Nacken fallen lassen, für einen Schluck aus der Pulle.

Als alles vorbei ist, weiß keiner mehr, wann es angefangen hatte. Die Blonde steht auf, gibt Kehliges von sich und noch eine Runde Zigaretten. Schreitet voran, die anderen folgen. Jedes Ende hatte auch mal einen Anfang. Aber als die Sonne dann wieder da ist, da blinzeln sie nur in die scharfen Strahlen, als wäre nichts gewesen.