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Zentrum-West

Am Ende der Straße war noch keine neue Galerie, frische Bar eingezogen, hier hielten die mürrischen Druckerbrüder Lüttge stand gegen den Wandel von alt nach neu. Das „Copyhouse“ besaß einen großen Ladenraum, viel größer als die Lust der Leute, ihre Dinge auszudrucken. Die größte Erfindung der Menschheit war zu einer Bastion der Unmoral geworden: „Mensch, druck dir nicht das Internet aus!“, das sagte man den Druckerbrüdern Lüttge in die hängenden Gesichter, bewegliche Lettern hin oder her.

Irgendwann war Schluss. In den letzten Atemzügen druckten die Druckerbrüder Lüttge noch einmal zwei riesige, gelbe und zudem fast identische Schilder aus. Heimlich und in der Nacht, so dass es der andere Bruder nicht mitbekommen würde, ließen sie die Maschinen noch einmal rattern und zogen, jeder für sich, eine gelbe Plane mit schwarzen Lettern aus diesen heraus.

Am nächsten Morgen hingen sie die Schilder außen an ihren Laden und sahen sich an. Eine Woche und bis zum Untergang vom „Copyhouse“ prangten die zwei Schilder an der Fassade und sie klagten die herrschenden Zustände an. Das eine resigniert und vorwurfsvoll: „Ihr Copyhouse muss schließen!“ Das andere aber, voll jugendlich linkem Elan, aufflammend und fast petitionshaft, lautete seine Beschriftung doch fast identisch: „Ihr Copyhouse muss bleiben!“