#14

Zentrum-West

Graue Wolken. Regentage und grauer Himmel. Einsame Stunden in der Wohnung. Gegen kalte Füße hilft heißer Tee. Hier verbringe ich meine Tage, mit heißem Tee, stumpfen Geräuschen und lauter Stille. Im Fenster spiegelt sich mein Gesicht.

Nachdenklich. Wie ein Stillleben sieht es aus. Ich bin müde und wach zugleich, habe einen dicken Kloß im Hals, beim Versuch traurige Gedanken zu unterdrücken. Ich will Beschäftigung und Tummel, um nicht allein sein zu müssen, um nicht ständig gegen Gefühle kämpfen zu müssen.

Ich will Freunde, die mich besuchen. Aber niemand kommt. Keiner hat Zeit. Ich auch nicht. Immer sind alle weit weg. Ich bin nie an einem Ort. Mal bin ich hier, mal dort, immer fehlt Geborgenheit. »Warum mach ich‘s mir auch so schwer?«, frage ich mein Fensterbild.

Die laute Stille erdrückt mich, ich höre leises Knarzen im Treppenhaus. Da kommt Besuch, aber nicht für mich. Mit dem Finger gleite ich durch die Kerzenflamme, lasse das heiße Wachs sich wie einen Mantel um meine Fingerkuppe schmiegen und färbend trocknen. Geräuschlos stehe ich auf und setze das Teewasser auf. Wie ein Flamingo auf einem Bein stehend, (damit meine Füße nicht so kalt werden), warte ich bis das Wasser kocht.