#16

Störmthaler See

Das Loch im Zaun lässt einen stocken. Etwas stimmt nicht mehr. Das gewohnte „hier“ und „dort“, das „wir hier“ und „die dort“ ist zerbrochen. Die Masse kann ausbrechen aus ihrer beengten Stadt, wir könnten hinein, wenn wir so verwegen und übermütig wären, wirklich da hinein zu wollen.

Lärm und Kotgestank und leisere, doch ebenso beißende Gerüche nach Brand und Fleisch und feuchtem Schlamm und tausenden Körpern, die aufeinander hocken auf Gedeih und Verderb. Und hier draußen, was kann einen da schon locken außer Mückenstiche und freigelassene Hunde, die Jagd auf einen machen. Da haben die es drinnen gemütlicher, denn Mücken gibt es überall und die Hunde nur hier draußen. Ja bitte, ich nehm noch ein Bier. Da sind noch welche in der Kühlbox.

Man kann sie als Trophäen tragen. Diese farbigen Fetzen am Gelenk der Hand, manchmal rechts, manchmal links, mal auch am Fuß. In der Stadt, auf dem Land, zurück im verhasst Gewohnten sind sie der Ausweis. Kurz nickt man sich wissend zu, der Blick verharrt. Doch mehr noch als diese Fetzen Stoff sind es die hungrigen Blicke, die Blasen an den Füßen, die gereizten Lebern, die Bronchiten oder Bronchitisse oder wie auch immer, die einen als Trophäenträger ausweisen.