#29

Schkeuditz

Ich stehe am Fließband und wuchte ein schweres Paket Damenturnschuhe aus Hongkong hoch. Der Inhalt des Paketes, der zuvor noch im Container verteilt lag, liegt jetzt mit der braunen Papphülle in einer Kiste, verziert mit einem „Repack“ Aufkleber. Langsam wird die Kiste das Fließband hinaufgezogen und verschwindet im Gewirr der Bänder, um am anderen Ende neuverpackt wieder aufzutauchen, bereit zum Verladen.

Es ist halb drei Uhr morgens. Ich blicke mich um und sehe Menschen mit orangefarbenen Warnwesten, mit Dreck beschmiert und müden Augen. Manch einem würde so ein „Repack“ Aufkleber auch gut stehen. Der Container vor mir wird kleiner und ein Neuer, wiederum gefüllt, taucht in meinem Blickfeld auf. Erschöpft mache ich meine Pause. Die 30 Minuten sind schnell vorbei, verbraucht mit Essen, Starren und manchmal auch Lesen. Ächzend in den schweren Schuhen stehen meine Füße wieder in der Halle.
Das erste Paket liegt auf dem Band. Automatisiert greifen meine Hände in den Container und fischen die leichten heraus. Nur bei den schweren schaltet sich mein Bewusstsein ein, geweckt von den unbequemen Hindernissen.

Erst später im Schlaf begreife ich die Monotonie, wenn ich nochmal mit jedem Paket das Band hinauffahre – verziert mit einem „Repack“ Aufkleber.