#18

Plagwitz

Gabi hat sich unweit des alten Plagwitzer Güterbahnhofs eingemietet. Wie lange sie dort bleiben wird, ist offen. Fraglos hat sie derzeit viel Kundschaft, die sie besucht, bei ihr bucht – oder zugewiesen wird.

Ihre Gäste sind sogenannte Sorgenkinder, gezeichnete Problemfälle. Gabi ist es ein Anliegen, jenen menschlichen Mängelwesen zu helfen; so stellt sie individuelle Hemmnisse fest, verringert und behebt sie. So einfach ist das.

Dazu bedient sich Gabi verschiedener Elemente, aktivierender und erwachsenengerechter Elemente, um genau zu sein. Ihr euphemistisches Programm lautet gemeinsame Aktivierung und Begleitung zur Integration. Bürokratisch organisierte Menschen-Lenkung ist ihr Metier. Die Aktivierung und Eingliederung sozialer Subjekte liegt ihr am Herzen. Sie will doch nur helfen – fallbezogen stärken und anleiten; ja fortbilden, ungeahnte Möglichkeiten oder befürchtete neue Perspektiven aufzeigen.

Gabi kreist um Daten und Fakten, Fähig- und Fertigkeiten, Kenntnisse und Kompetenzen. Eine strategische Optimierung und Vermarktung des Selbst, darum geht es ihr. Selbstverantwortlich sollen die ausgemachten Mängelwesen an ihrer Selbstmaximierung arbeiten. Der Zukunft angstfrei zugewandt. Mit dem erweiterten Wissen durchstarten. So einfach ist das.

Ist Gabi ein neoliberales Regierungsmonster oder doch nur eine besorgte Mutti? Ist sie eine strukturierte Maßnahme oder ein Sammelsurium aus Modulen?
Verbrennt sie wertvolle Lebenszeit oder, oder…
Dann kommt die Wochenendsonne raus.