#17

Musikviertel

Tagsüber verbringe ich meine Zeit in der Albertina Bibliothek. Dort sitze ich, eine unter vielen Studenten die lernen, schreiben und schlafen.

Vor der Bibliothek auf den Treppenstufen sitzen die Pausierenden, trinken Kaffee, rauchen und tauschen Worte mit Freunden oder Kommilitonen aus. Die Zeit verfliegt förmlich, wie die kleinen Spatzen die an meinem Kopf vorbeisausen und von einem Platz zum nächsten hüpfen, sich verfolgen, fangen und füttern. So schnell, dass ich die Zeit nicht mitbekomme in der sie ihren Standort und ihr Spiel wechseln.

Jeder hängt in seinem eigenen Trott und niemand macht sich die Mühe mal umher zu schauen, in andere leere Gesichter, die den ganzen Tag mit sich selbst beschäftigt sind und doch mit nichts. Zurück in der Eingangshalle herrscht wildes Treiben von Kommenden und Gehenden, Essenden und Trinkenden und Touristen im Seniorenalter. Der graubärtige Mann rechts von mir schaut mich genauso leer an wie ich ihn. Es ist stickig in meinem Kopf und mein Körper ist träge. Ich schaue auf die Uhr, erst kurz nach fünf. Ein paar Stunden muss ich noch. Abends komme ich nach Hause und es ist noch hell. Wir haben Juni und die Sommersonnenwende geschah vor einem Tag.