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Möckern

Im Leipziger Norden, an einer Magistrale, beherrscht die Agentur für Absurdes die städtebaulich und sozial trübe Szenerie. Architektonische Armut überwiegt, geistige Armut regiert. Überwachen und Strafen bestimmen mechanische Agentur-Kunden-Beziehungen. Solche Plastikwörter und amtliches Neusprech dominieren das inhaltsarme Miteinander.

Kunden treffen etwa auf sogenannte Integrationsberater. Ihre ganzheitliche Integration liegt dem gleichnamigen Kompetenzteam merklich am Verwaltungsherzen: Fallbezogene Beratung und Vermittlung zielen auf eine Anpassungsleistung ab, die wenig subtil eröffnet und erzwungen wird.

Mache mit, gliedere dich ein; sei ein Funktionsarsch im Dienste der Deutschlandproduktion. Anpacken ist gefragt, zu verschleißendes, in den Niedriglohnsektor ausgelagertes Menschenmaterial begehrt. Entfremdend beschäftigt, monoton am Fließband Pakete wuchtend, unambitioniert der Zukunft zugewandt. Ab in die Logistikhölle! So geht ganzheitliche Integration.

Abweichende Lebensentwürfe sieht die Agentur ungern. Eigensinn stört nur die verordnete Eingliederung, den eingespielten Gang der Dinge. Ein vages „Ich möchte lieber nicht“, zählt nicht.

Unangepasstheiten regelt die einseitige Eingliederungsvereinbarung schon. Belehrend wird alsdann mit dem Sozialgesetzbuch argumentiert, eine fristgerechte Anhörung gewichtiger Gründe „für Ihr Verhalten“ eingeräumt. Über den angedrohten Ausschluss vom Vermittlungsprozess werde anschließend entschieden. Nach Aktenlage, heißt es.

Gewiss, eine vereinzelt gangbare, ja seitens der Agentur für Absurdes angeratene Option verbleibt. „Abmelden“, lautet die statistikschönende Alternative für Deutschland. „Have a nice life“, die flüchtig befreiende Losung.