#24

Leutzsch

Ich stehe am Rand der Senke und blicke hinunter. Die Betonblumen stehen bereits in voller Blüte, sie platzen schnell auf nach ein paar Tagen Wärme. Ein kleiner Bach fließt ruhig sein Gleisbett entlang, sein Grausilber fällt rechts von mir ins Tal ab, einige hundert Meter weiter hinten sanft mit dem Aufstieg wieder nach oben, dann über eine Brücke, spaltet sich ypsilonartig und gerät außer Sichtweite.

Es ist Sonntag, ja, es ist immer Sonntag hier, auf den Straßen so weit draußen im Westen, nur haben heute die Geschäfte offen, glücklicherweise. Ich muss ja heute auch noch zum Friseur, sagt die Frau neben mir, aber nicht zu mir, denn sie spricht mit einer anderen Frau. Gemeinsam stehen wir in einem der Wartehäuschen und genießen die Aussicht.

Tief unten, in der Talsenke, stehen Autofahrer und Fahrradfahrerin beieinander und besprechen etwas, dann rast das Auto mit knallendem Auspuff die Talsenke hoch, uns entgegen, während die Fahrradfahrerin umdreht und über das Gleisbett schräg links in die nächste Seitenstraße hineinschießt, wobei gräuliches Wasser aufspritzt und von der Sonne in Funken verwandelt wird. Warten wir auf etwas? Man muss da doch immer so lange warten, sagt die Frau neben mir und die andere sagt aha und oh.