#23

Bahnhof

Du bist durch den Hauptbahnhof im Untergrund verschwunden. Deine Freunde sind durch den Westausgang wieder rausgekommen und gehen jetzt in die Stadt, denn es gibt noch was zu tun. Fleischergasse. Tattoostudio. Später Rathausplatz, Dönerladen. Vielleicht auch ein paar Bullen. Solche Dummheiten machst du aber nicht mehr mit. Geht schon mal, sagst du, ich fahre heim, sagst du auch. Verpiss dich, sagen deine Freunde.

Du steigst in die S-Bahn, schaust dich um, legst dein Schild als erstes oben auf die Hutablage, umgedreht. Sicher ist sicher. Heute hast du ganz schön geschwitzt. Schnell wart ihr, einmal im Kreis ging es. Georgiring, Querstraße, Grimmaischer Steinweg, Augustusplatz. Geschrei, Gelächter, aber das macht dir nichts aus. Du hast die Bullen gesehen, matte Haut, Muskeln. Wangenknochen, eingerahmt von weißen Helmen. Sie gingen voraus, du hinterher. Du hast auf Lutz gewartet, aber Lutz kam nicht.

Ist halt doch ne schwule Zeckensau, haben deine Freunde gesagt.
Schwule Sau, hast du gesagt.
Du siehst mich spät, unsere Blicke verhaken sich. Du bist älter, ich gehe an dir vorbei, mache mich groß, habe Angst, wie du. Ich balle meine Faust, verdient hättest du’s mit Sicherheit. Ich steige aus und du bleibst sitzen.
Nächsten Montag kommst du wieder, ganz bestimmt.