#34

Gohlis

Eigentlich wollten sie nur einen Blick aufeinander werfen, er aus dem dritten Stock hinunter, sie aus dem zweiten Stock hinauf, vom Haus gegenüber; bevor sie einander die Vorhänge zeigen, das Licht ausschalten, immer noch stehenbleiben.

Er sieht sie manchmal, wenn er abends noch auf eine Zigarette rausgeht, das Altglas wegbringt, oder die schicken Betonklötze anspuckt, die auf einmal in den Gohliser Baulücken stehen. Dann kommt sie von der Bahnhaltestelle, bepackt mit einer Sporttasche oder prallen Einkaufsbeuteln, und schaut im Vorbeigehen auf die schmale, doch aufgerichtet stehende Gestalt. Und er zieht cool an seiner Kippe und spuckt nochmal.

Sie sieht ihn manchmal, wenn sie wieder einen Sonntag im Bett verbringt und nur für Zigaretten in die Küche geht und dann mit dem Aschenbecher kurz am Fester stehenbleibt. Dann läuft er in einem verschwitzten T-Shirt um den Häuserblock, immer wieder um den Block, bis die gelben Straßenlaternen anflackern und er im Haus verschwindet. Sie drückt den Filter aus, geht in die Küche, wieder ins Bett zurück und fühlt eine erschlagene Erschöpfung.

Eigentlich wollten sie nur einen Blick aufeinander werfen, denn von draußen zieht es kalt in die Zimmer und der neue Lärm großer Autos auf Kopfsteinpflaster macht das Rufen nach drüben unmöglich.