#7

Eutritzsch

Die kalte Nachtluft schlägt uns träge ins Gesicht, wie fast jeden Abend, wenn wir, den kurzen Schlaf schon vor Augen, aus der Kneipe auf die verwaiste Straße taumeln. Nur die Ampeln blinken. Kein Laut, der gegen den Wind sich behaupten kann. Wir schlagen die Kragen hoch. Einer verabschiedet sich; bis morgen. Oder nicht, aber eigentlich schon. Hier will keiner in seiner Wohnung hocken und auf den Hof schauen, wenn es langsam dunkler wird.

Wir stolpern auf die große Ausfallstraße, wo wochentags die Straßenbahnen hoch ins große Krankenhaus fahren. Bis hinter den Baumarkt, da wo die ganzen Bonzen wohnen. Doch wir stieren in die andere Richtung, die lange Straße hinab, dorthin, wo die Lichter der Innenstadt über die Prärie der verlassenen Gewerbeanlagen quellen. Wir stehen und schweigen gegen das fleckige Licht, das auf den Asphalt tröpfelt. Keiner kann sich mehr erinnern, wann er das letzte Mal dort war. Nur Kinder auf Drogen dort und Kerle mit zu großen Karren und zu blonden Mädchen.

Wer dorthin verschwindet, kommt nicht mehr zurück, erzählt man sich. Viele Stechereien dort, nicht so wie hier. Besoffenes Kneipengelaber. Gelauscht wird trotzdem immer.
Und es fröstelt uns ein wenig; wir wenden den Blick, und verschwinden in unseren Hauseingängen.