#27

Clara-Zetkin-Park

Wäre dieser Ort eine Kneipe, würde eine Rezension leichter fallen. Und auch die Schuldfrage wäre schnell geklärt, doch sollte man das Ganze eher als Infektion ansehen. Seit der Gentrifizierungswahn in Form des „Hypezig“-Booms Schwaben, Münchner und Berliner hierher lockt, ist dieser einstmals ruhige Treffpunkt für Pärchen und Landverbindung über die Elster zu einem Schwamm aus Stein verkommen. Unablässig saugt er Normcores, junge, dicke Eltern mit überteuerten Kinderwägen und Straßenmusiker auf, um bei fallenden Temperaturen rasend schnell wieder auszutrocknen.

Schizoide Anzugträger beschimpfen Ruderer als elende Westkapitalisten, Hippies lassen Techno aus übersteuernden, auf Fahrradanhänger montierten Boxen dröhnen, Flaschensammler sind auf der Jagd. In letzter Zeit verschwanden einige, was aufgrund des niedrigen sozialen Status der meisten Vertreter dieser Zunft bis jetzt nicht weiter auffiel. Und Nutrias hat man hier auch schon lange nicht mehr gesehen.
Laut einigen an die Steinbrüstung angeklebten Flyern bauen sich die Biberratten gigantische Paläste aus Pfandflaschen unter Wasser, um von dort aus die Welt zu erobern und die Menschheit zu versklaven. Während die letzten Sonnenstrahlen die brackige Oberfläche der Elster aufwühlen, die Boxen ein letztes Mal aufgedreht werden, ist ein ersticktes Gurgeln zu hören und kurz darauf treibt eine leere Plastiktüte auf dem Wasser.