#12

Clara-Zetkin-Park

Ein junger Vater sitzt samt Sohn auf der Sachsenbrücke, ganz lethargisch, denn es ist Sonntag und da ist Lethargie schon mal erlaubt. Rechts von ihnen trinken drei Punks ihre Biere und klimpern mit ihren Schlüsseln, die sie an die Gürtelschlaufen karabiniert haben. Die Kronkorken fliegen, der Letzte schnippt seinen bis fast zur anderen Straßenseite. Der weiße Stern bleibt oben liegen, genauso hatte er sich das vorgestellt.

Doch da kommt es plötzlich von links, der Familienvater hat alles genau beobachtet: »Musst du deinen Müll eigentlich einfach so hinschmeißen?« Der Punk ist perplex, war doch ein guter Schnips, ist sogar richtig rum gelandet! Eigentlich ist er schlagfertig, aber die Gedanken sind nach acht Sterni eine zähe Masse. Das ist ihm schon einige Male zum Verhängnis geworden.

Nach einer Denkpause sagt er also: »Brauchste aber ooch nüsch son Stress zu machn, geht doch ooch freundlüschor.« Der Familienvater sagt nichts und sein Sohn blickt ihn ehrfürchtig an. Der Kronkorken liegt einsam da und als der Punk nach ein paar Minuten aufsteht, um ihn aufzuheben, da zeigt er dem Vater den Daumen als Zeichen der Versöhnung. Doch der nimmt seinen Sohn an die Hand und schlendert gen Westen. Die Machtverhältnisse in Leipzig sind heute andere.