#1

Leipzig

Wir sind satt. Haben uns sattgesehen an deinen Frühstücksbildchen und deinen Smoothies. Deinen Cocktails, deinem Burger von letzter Nacht, deinem Schiss von gestern Früh. Vielleicht hat das Regiment der Bilder tatsächlich seinen Grund. Aber irgendwie sehen Konzerte, durch dein Handy beobachtet, immer gleich aus. Und auch der Sonnenuntergang von gerade eben — der war doch vor einem Jahr schon so. Jetzt ist es dunkel, kein Licht, das deine Linse wertvoll speisen könnte.

Es wird Zeit zu schreiben. Schreiben, um herauszufinden was du wirklich denkst. Auf was du blickst und was du siehst. Und was das bedeutet. Herausfinden was du willst, was du fürchtest. Notieren, Zeile um Zeile. Vergangenes Leben schriftlich archivieren. Schluss mit „Pics or didn’t happen“. Schluss auch mit der Bilderflut, die uns blind macht. Der Verkürzung von Schrift, die uns lähmt. Vergiss das alles.

Neulich.co ist Archivar und Erzähler zugleich. Das Gegenteil nervöser Netzwerke, ein Gegenpol. Nichts für die schnelle Befriedigung, nichts für schnell Befriedigte. Vergiss Screenshots und erzähl uns deine SMS von gestern Nacht. Lass die Kamera aus und berichte von deinem Brunch. Selfies sieht sich in einem Jahr keiner mehr an. Nur Erzähltes hält länger. Zweihundert Wörter, mehr nicht. Einfach wie dieser Text hier. Und bitte!